Theresa in Indien

Musik ist die Sprache, die jeder versteht.

Mein erster Monat in Kalimpong…

Hallihallo, ich lasse auch mal wieder von mir hören 🙂


Nun bin ich schon seit vier Wochen in Kalimpong und arbeite in der Ghandi Ashram School. Anders als ursprünglich geplant wohne ich nicht in der Schule, sondern bei einer Gastfamilie. Das gibt mir die Chance, wirklich das Leben der Leute vor Ort mitzuerleben und zu teilen. Ich lerne, indisch zu kochen, mich den indischen Zeit- und Planungsverhältnissen anzupassen und jeden Tag kommen ein paar weitere Worte Nepali dazu. Als Weiße habe ich hier natürlich in gewisser Weise einen Sonderstatus und werde mit größtem Interesse „beäugt“, aber insgesamt ist mir eine solche Offenheit und Freundlichkeit der Leute bisher selten begegnet. Auf ein nettes Gespräch oder ein liebes Lächeln – auch mit Leuten, die ich noch nie zuvor gesehen habe – kann ich mich also verlassen.


Der Tag an der Ghandi Ashram School beginnt um 8.30 Uhr mit der Morning Assembly. Dazu versammelt sich die ganze Schule, es wird gesungen und gebetet – und während der ganzen Zeit militärisch strammgestanden, wie man es aus Deutschland so gar nicht kennt. Danach beginnt der Unterricht. Die Ghandi Ashram School ist eine Schule speziell für Kinder aus eher schwierigen Verhältnissen. Viele Kinder leben bei nur einem Elternteil, manche sind sogar Waisen, hatten schon Gewalterfahrungen oder kommen aus der Kinderarbeit. Umso schöner finde ich es, dass an der Ghandi Ashram School jedes Kind die Chance hat, ein Musikinstrument zu lernen. Die ganz Kleinen können zunächst zwischen Geige und Blockflöte wählen, bevor sie ab der vierten Klasse dann die Wahl zwischen Geige, Bratsche, Cello und Klavier haben.

Ich darf sie im Klavier unterrichten. Meine Klassen bestehen aus jeweils vier bis sechs Schülern – was manchmal schon eine Herausforderung für mich ist, da so auf jeden Schüler maximal zehn Minuten effektives Üben kommen. Manchmal steht aber auch gar nicht so der Fortschritt im Vordergrund als viel mehr das Verarbeiten individueller Probleme, mit denen die Kindern zu kämpfen haben. Insgesamt ist mir aber aufgefallen, wie sehr sie wirklich das Instrument spielen lernen wollen und sich bemühen, alles richtig umzusetzen. Besonders berührt hat mich, zu sehen, wie manche Kinder ihre Melodien auf einem Stuhl geübt haben, wenn sie gerade nicht an der Reihe waren.


Nach der Schule geht es für mich dann zurück zu meiner Gastfamilie. Dort habe ich drei Gastgeschwister (zwei Brüder und eine Schwester), sodass ich auch nach der Schule noch gut beschäftigt bin – mit Badminton-, Fußball- oder auch „Wahrheit oder Pflicht“-Spielen (das scheint ein internationales Spiel zu sein…). Oft wird aber auch einfach usammen gesessen und geredet; aufgrund meiner bisher eher rudimentären Nepalikenntnisse höre ich da aber vor allem zu und freue mich, wenn ich einzelne Worte wiedererkenne…
Da wir auf dem Dorf leben, habe ich hier auch einen richtigen Schulweg – das heißt, ich muss erstmal einen Viertelstunde bergab bzw. nach der Schule bergauf durch den indischen Dschungel und über einen Fluss gehen, bevor ich dann nassgeschwitzt 🙂 in der Schule oder zu Hause ankomme. Da hier zur Zeit der Monsun herrscht, ist es tagsüber oft sehr schwül und heiß. Abends kühlt es dann dank Gewitter oder Regenschauer zum Glück ein wenig ab. Dafür sitzen wir dann auch oft plötzlich im Dunklen, wenn mal wieder Stromausfall ist. Wenn dann aber die ganze Familie bei Kerzenschein zum Essen versammelt ist, entsteht gerade daraus oft ein sehr schönes Gemeinschaftsgefühl…


Bis bald! 🙂

PS: Da mein Internet im Moment leider sehr schlecht ist, gibt es dieses Mal keine Photos… Ich werde das aber sobald wie möglich nachholen.

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